Tschö USA! – Moin Kanada!

Von Seattle aus fahren wir mit dem Zug nach Vancouver an der Westküste Kanadas. Abgesehen davon, dass wir leider absurd früh dafür aufstehen müssen, ist diese Variante ein absoluter Hauptgewinn.

Warten auf den Zug von Seattle nach Vancouver

Warten auf den Zug von Seattle nach Vancouver

Der Bahnhof in Seattle sieht alt, erhaben und hochherrschaftlich aus. Ich hätte nicht gedacht, dass man das über einen Bahnhof sagen könnte. Entsprechend erstaunt bin ich. Wir sitzen müde in der stuckverzierten Wartehalle. Man wartet nicht auf dem Gleis. Der Zugang zu diesem wird nur geöffnet, wenn in den Zug eingestiegen oder aus dem Zug ausgestiegen werden soll.

Der Zug selbst ist gemütlich. Die Sitze sind so kuschlig, dass ich keine 20 Minuten brauche, um einzuschlafen. Zum Glück schlafe ich nicht die gesamte Fahrt über. Die Schienen folgen der Küstenlinie. Wir haben vorher schon gehört, dass es in dieser Gegend Weißkopfadler geben soll. Also haben wir darauf gehofft, vielleicht welche vom Zug aus zu sehen. Aber dass gleich mehrere davon neben dem Zug herfliegen, damit haben wir nicht gerechnet. Insgesamt sehen wir auf dieser Zugfahrt etwa 15 Weißkopfadler! Was für ein Tag! Schon jetzt! Dabei ist es noch nicht mal Mittag!

Als wir in Vancouver ankommen und etwas unschlüssig vor der Karte mit dem Straßenbahnnetz stehen, spricht uns eine junge Mutter mit Kind an, ob sie uns helfen könne. Während sie uns zu der richtigen Haltestelle begleitet unterhält sie sich zweisprachig (Englisch und Französisch) mit ihrem etwa 2-jährigen Sohn. Ich bin baff. Bisher hatte ich sowohl von englischer wie auch von französischer Seite immer glaubhaft versichert bekommen, dass es rein physikalisch unmöglich sei, die Sprache des jeweils anderen zu sprechen und insbesondere verständlich auszusprechen. Und hier geht das plötzlich in einem Satz! Das habe ich so noch nicht gehört.

Für die Zeit in Vancouver haben wir uns wieder über airbnb in eine private Unterkunft eingemietet. Zur Schlüsselübergabe treffen wir unsere neue Zimmerwirtin an einer Straßenbahnhaltestelle. Wir bekommen neben dem Schlüssel noch eine genaue Wegbeschreibung und einen Ordner mit Informationen und oben drauf ein breites Willkommenslächeln. Ich liebe private Unterkünfte! Ich liebe es, Menschen kennenzulernen!

Unser neues Heim für die nächsten 3 Nächte

Unser neues Heim für die nächsten 3 Nächte

Als wir schließlich in unserem neuen Zuhause für die nächsten 3 Nächte ankommen, sind wir ein weiteres Mal an diesem Tag baff. Das Zimmer liegt im 10 Stock und besteht zur Hälfte aus Fenstern. Wir haben eine Aussicht über die Ausläufer der Stadt bis hin zum Horizont.

Obwohl wir hundemüde sind, beschließen wir, uns noch ein bisschen die Stadt anzugucken. Leider ein großer Fehler. Diejenigen, die den Blog schon etwas länger verfolgen, wissen inzwischen, dass mein Freund und ich die unselige Neigung haben, intuitiv die schlimmsten und leider auch gefährlichsten Stadtteile einer Stadt zielsicher zu finden, da zu wohnen oder verschreckt hindurchzuflanieren. So beschließen wir heute, uns erstmal China Town anzugucken und da zu essen. Denn China Towns sind für uns als Europäer eigentlich immer interessant und gutes, d.h. frisch zubereitetes Essen haben wir in den Stadtteilen bisher auch immer gefunden. Uns fällt auf, dass das China Town in Vancouver ganz schön verranzt aussieht. Wir finden schließlich ein Lokal, in dem wir essen mögen und beobachten durch relativ dreckige Scheiben, wie draußen vor dem Laden ein Mann oben ohne und dafür im rosa Tütü über der speckigen Lederhose hingebungsvoll über eine Kreuzung tanzt. Okay, Drogen nehmen sie hier also auch. Ich habe mich schon mehrfach gefragt, ob es bei uns solche Drogen nicht gibt oder ob die Tütü-Tänzer immer so schnell von der Polizei eingesammelt werden, dass man davon nicht so viele sieht. Hier scheint man sich jedenfalls nicht groß darum zu kümmern.

Nach dem Essen schlendern wir aufs Geratewohl durch die Stadt. Schwerer Fehler. So biegen wir ahnungslos in die Hastings Street ein. Ausnahmslos jeder Kanadier, dem wir hinterher diese Geschichte erzählt haben, wusste den Namen der Straße schon bevor wir ihn ausgesprochen hatten! Nach 10 m komme ich mir vor wie im Zombie-Land. Und es wird immer schlimmer. Wir sind umringt von Menschen, die eindeutig sehr merkwürdig sind, um es mal so freundlich und positiv wie möglich auszudrücken. Ich will nicht wissen, was die genommen haben oder auf was die mal hängengeblieben sind, aber ich habe seltenerweise mal tatsächlich richtige Angst. Und ich habe die Schnauze voll. Ich hab von dieser Art Problemen in den letzten Wochen in den USA einfach zuviel gesehen. Es ist zwar erst 17 Uhr, aber ich beschließe, dass ich jetzt in dieses großartige Zimmer zurückfahren und eine gepflegte lange Nacht schlafen werde und dass mich Nordamerika mit seinen Drogenproblemen und seiner nicht vorhandenen Sozialpolitik mal kann. Bis wir wieder in die Wildnis fahren, will ich aus diesem Zimmer nicht mehr raus!

Am nächsten Tag bin ich krank. Soviel dazu. So habe ich einen guten Grund, mich richtig auszuschlafen und ab und zu den Ausblick zu genießen. Als wir uns am Abend mit unseren Gastgebern unterhalten, wird uns einiges klar. Die Hastings Street ist tatsächlich eine der unangenehmsten Straßen von Vancouver. Auf der Karte sehe ich, dass nur eine Straße weiter der „hübsch polierte Touristenteil“ der Stadt gewesen wäre. Aber was ist mit dieser Straße los? Uns wird erklärt, dass bis vor kurzem in dieser Straße ein Asyl für psychisch kranke Menschen betrieben wurde. Allerdings sei es wegen Kürzungen im Sozialbereich vor einiger Zeit geschlossen worden. Die Bewohner mussten von ihren Verwandten abgeholt werden. Wer niemanden hatte, wurde einfach auf die Straße gesetzt. Und genau da sitzen diese Menschen immer noch. Vor den Toren ihrer alten Anstalt. Diesmal bin ich auf eine sehr ungute Art baff.

Mit den Infos, wo wir besser nicht rumlaufen sollten (eigntlich überall da, wo wir bis jetzt waren) sind die nächsten Tage in Vancouver wieder besser. Aber immer, wenn ich einen schönen Stadtteil sehe, muss ich an die Hastings Street denken. Vielleicht gibt es solche Geschichten bei uns auch. Aber mir erscheint unser soziales Netz doch irgendwie engmaschiger. Obwohl wir mit unseren Gastgebern zwei großartige Menschen getroffen haben und in Vancouver noch ein paar nette Ecken sehen, hinterlässt der Aufenthalt einen Nachgeschmack und ich bin froh, als wir die Stadt in Richtung Vancouver Island verlassen.

Vancouver

Vancouver

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Smells like Seattle

Es ist Morgen in Seattle, ich sitze am Rechner, daneben steht meine dampfende Tasse Kaffee. Das Leben kann so gut sein! Ich bin inzwischen so lange unterwegs, dass ich die kleinen Dinge eindeutig mehr genießen kann als zu Hause. Zugegebenermaßen ist der amerikanische Kaffee immer noch grottenschlecht, aber man wird bescheiden was Geschmack und Qualität von Lebensmitteln angeht, wenn man mit niedrigem Budget durch die USA reist. Die Einschränkung mit dem niedrigen Budget mache ich nur, weil ich wirklich hoffe, dass nicht alle Amerikaner so essen und solchen Kaffee trinken. Darauf schwören würde ich allerdings nicht.

Seattle ist eine der positiven Überraschungen unserer Zeit in den USA. Abgsehen von Seattle und LA haben wir von allen anderen Städten bisher immer gehört, dass sie super toll seien. Wenn wir dann da waren, waren wir meist weitaus weniger begeistert. Von Seattle dagegen hatten wir bisher tatsächlich nur gehört, dass die Stadt hässlich sei und nicht viel zu bieten hätte. Es gibt wenig Situationen, in denen ich Amerikaner wirklich negativ über egal was habe sprechen hören. Dementsprechend hatte ich Anbetracht meiner negativen Erfahrungen mit den Städten, die als toll beschrieben wurden, tatsächlich große Bedenken was nun Seattle anging. Und dann kommen wir hier an und es ist ganz toll! Na guck! Ich weiß wirklich nicht, was die Menschen, die so schlecht über Seattle sprechen, von der Stadt gesehen haben, was diesem Eindruck zugrunde liegt.

Auf dem Weg zur Rückgabe unseres Mietwagens, unserer ersten Aufgabe in Seattle, kann ich einen Blick auf das Hafengebiet werfen. Mich erinnert es stark an Hamburg. Zugegebenermaßen hat das Hamburger Hafengebiet eine Art Ruhrgebietscharme und das mag das nicht jeder als schön empfinden. Aber mir wächst Seattle dadurch spontan ein bisschen ans Herz.

Seattle von oben

Seattle von oben

Wir fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Autorückgabe am Flughafen in die Innenstadt. Das geht schnell, ist unkompliziert und die Verkehrsmittel sind in gutem Zustand. Hervorragend! Ein gutes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln ist keine Selbstverständlichkeit in den USA. Wer kein Auto hat, kann auch gerne mal völlig aufgeschmissen sein. Da ist man als Europäer schon mal überrascht.

Unser erster Anlaufpunkt in der Stadt ist der Pike Place Market im Hafengebiet. Hier gibt es alles von frischem Obst bis zum tibetanischen Souvenir. Wir essen in der Three Girls Bakery Mittag. Das Essen ist nicht komplett aus der Dose und schmeckt gar nicht mal übel. Ein Hafen, ein brummiger Markt, halbwegs vernünftiges Essen: ein Punkt auf der gute Laune-Skala.

Markt in Seattle

Markt in Seattle

Anschließend schlendern wir an der Hafenkante entlang, durch den Skulpturenpark und schließlich zum EMP-Museum. Ja, hier kann man längere Strecken in der Stadt zu Fuß zurücklegen, ohne sich direkt unwohl zu fühlen, weil man immer wieder Menschen auf Drogentrips über den Weg läuft: nächster Punkt auf der gute Laune-Skala.

Rote Skulptur und im Hintergrund die Space Needle

Rote Skulptur und im Hintergrund die Space Needle

Und dann kommt das EMP-Museum! Das Meseum aller Museen, zumindest in meiner Welt! Es gibt eine unglaublich gut gemachte Ausstellung zu Nirvana und der Entstehung des Grunge. Als wir nach 2 Stunden aus diesem Teil des Museums rauskommen, stehen wir in einer Gallerie die die Geschichte der Gitarre darstellt! Anschließend laufen wir durch Ausstellungen zu Science Fiction und Fantasy. Ausnahmslos alle Ausstellungen sind gut gemacht und interaktiv. In einem Raum kann man Musikinstrumente ausprobieren. Wir haben viel zu wenig Zeit, um wirklich alles anzugucken. Da man das Museum mit seiner Eintrittskarte während des Tages verlassen und wieder betreten kann, würde ich beim nächsten Besuch die Karte vormittags kaufen und dann, von der Mittagspause abgesehen, wohl einen ganzen Tag darin verbringen. Oder zumindest wesentlich mehr als nur 3 Stunden!

Gitarrenturm im EMP Museum

Gitarrenturm im EMP Museum

Am nächsten Tag geht es rauf auf die Space Needle und anschließend in das Seattle Art Museum. Ich spüre, wie ich die ganze Kultur förmlich aufsauge. Seattle hat da echt einiges zu bieten.

Seattle Art Museum

Seattle Art Museum

Die nächsten Tage sind geprägt von Organisation: Einkauf, waschen, wie geht es in Kanada weiter, … Unsere Unterkunft eignet sich dafür hervorragend. Über die Internetseite www.airbnb.de haben wir einen privat vermieteten kleinen Wohnwagen gefunden, in dem wir die Nächte und Teile unserer Tage in Seattle verbringen. Es ist so gemütlich, dass ich mich sofort wohl- und ein wenig heimisch fühle.

Ganz klares Fazit: Seattle kann was!

EMP Museum

EMP Museum

Biss sonstwann…

DSC_0721Achja, die schwulstige Romantik. Noch einmal wieder ganz jung sein und noch nicht gelernt haben, worauf es im Leben (vermeintlich) ankommt. Wer sich mit Hilfe von trashigen Romanen nochmal in diesen Zustand zurückzuversetzen vermag, der kennt wohl auch die Twilight-Saga. Und wir sind genau da, wo die spielt. In Forks und dem Olympic Nationalpark.

Bei einer kleinen Internetrecherche über den Ort stellt sich heraus: Der Film wurde nicht hier gedreht und die Autorin war auch vor dem Schreiben der Bücher nie hier (auch nicht währenddessen). Umso erstaunlicher ist die Ähnlichkeit und die Genauigkeit, mit der die Bücher genau diesen Ort und diese Landschaft wiedergeben. Es ist alles da. Ich habe das Gefühl, alles wiederzuerkennen. Sei es aus den Büchern oder den Filmen.

Wir fahren in den Nationalpark rein, wollen da übernachten, und können zugucken, wie die Außentemperatur in Bereiche fällt, in denen ich nicht mehr draußen schlafen möchte. Mir fällt das kleine Bed and Breakfast ein, auf dessen Internetseite ich bei meiner Vorabrecherche gelandet bin. Klar, in einem Bed and Breakfast zu übernachten ist finanziell nicht drin, aber träumen ist umsonst. Besonders von einem warmen Bett in einem wetterfesten Raum mit Dach träume ich in letzter Zeit besonders gerne 😉

Als wir weiterfahren, kommen wir an einem Café vorbei: „Denkt an uns, wenn der Regen einsetzt. Wir sind hier, hier ist es warm und es gibt Kaffee.“ steht da sinngemäß. Keine 200 m weiter setzt der Regen ein. Und zwar richtig. Wir sind in einer Art kaltem Regenwald. Es ist grüngrüngrün. Und nassnassnass. Also, wenn ich so auf die Karte gucke, dann sagt mir mein Outdoorinstinkt, dass der Regen am Berg hängt und dass wir vielleicht doch lieber zum Zeltplatz an der Küste zurückfahren sollten. Irgendwann wird es auch meinem Freund zu ungemütlich. Wir kehren um. Nassregnen lassen müssen wir uns ja auch nicht unbedingt, wenn 3 km weiter wahrscheinlich die Sonne scheint. Und tatsächlich, am Strand ist alles gut. Der Nationalpark bzw. der Berg ist weiterhin wolkenumhangen, aber bei uns an der Küste herrscht Sonnenschein. Manchmal ist umkehren die beste Entscheidung.

Am nächsten Tag trinken wir in Forks einen Kaffee in einem Diner *grins * . Ich kann nicht anders als an die Bücher zu denken und das Ganze gut zu finden. Übrigens ist in der Tat hier der Hund verfroren. Wer ein Buch über eine einsame Gegend schreiben will, die nicht die Wüste ist, der liegt mit Forks und Umgebung schon echt nicht schlecht. Ein kleiner Ausflug zum Strand von La Push. *noch mehr grins *

Wir treffen ein deutsches Paar. Jeder macht mal ein Foto vom anderen Paar, damit man auch mal zusammen auf einem Bild drauf ist. Beim Ortsschild von Forks treffen wir uns per Zufall wieder. Gleiches Prozedere. Auf die Frage, wie lange wir schon unterwegs sind, drucksen wir ein bisschen rum. Ältere Leute denken häufig, dass man irgendwie reich ist, wenn man sagt, dass man schon seit einem halben Jahr reist und noch mehrere Monate vor sich hat. Ja, ich fühle mich auch reich. Allerdings glaube ich, dass niemand meine halbe Doktorandenstelle, von der ich das Reisegeld gespart habe, als luxuriös angesehen hätte. Ich schon. Aber ich brauch auch nichts. Naja, fast nichts. Ein warmes, trockenes Bett wär echt mal wieder schön. Aber ich will nicht unken. Wir finden ja immer wieder sehr gute Campingplätze, es regnet nicht (zumindest heute nacht nicht), wir haben ein Kartenspiel und wenn es abends dunkel und kühl wird, hänge ich mir eine unserer Zebra-Fleecedecken um (ich bin weder besonders modisch, noch habe ich einen guten/schlechten Geschmack. Ich bin pragmatisch 😉 ) und krabbel ins Zelt. Solange ich zum Schlafen nicht wieder meine doofe Leggins anziehen muss, weil es sonst zu kalt ist in der Nacht, bin ich zufrieden. War ich vor der Reise schon einigermaßen genügsam, bin ich jetzt jedenfalls noch genügsamer.

Am nächsten Tag umkreisen wir weiter den Olympic Mountains. Auf dem Weg sehen wir kaum Orte oder Mensch. Nur ab und zu werden wir von einem Holzlaster überholt. Ganz selten überholen wir auch mal einen 😉

Der Campingplatz der nächsten Nacht liegt an einem See. Die Aussicht ist bombastisch! Müsste ich irgendwo in den USA wohnen, wäre hier schon eine Ecke, die mich landschaftlich reizen würde. Und schön einsam ist es hier auch. Allerdings so kalt, dass ich tatsächlich nicht freiwillig in diesen See reinhüpfen würde. Und das will was heißen. Aber ich muss ja zum Glück nicht.

kalter See in Washington

kalter See in Washington

Wir umrunden die bergige Mitte des Olympic Nationalparks und fahren von Norden her noch einmal in das Parkinnere. Diesmal geht es nicht darum, einen Schlafplatz zu finden. Wir wollen nur die Aussicht von den Bergen genießen. Auf dem Weg nach oben überholen wir eine Radfahrerin. Hätte ich einen Hut, ich würde ihn jetzt ziehen. Der kleine Ausflug lohnt sich auch für uns Faulere. Heute regnet es nicht, zumindest nicht auf dieser Seite des Berges. Oben liegt Schnee! Es ist zwar unglaublich kalt und windig, aber die Aussicht ist…in natura noch schöner als auf dem Bild.

Mitten im Olypmic Nationalpark

Mitten im Olypmic Nationalpark

Ich mag es kaum laut aussprechen, weil mein outdoorverrückter Freund das hören könnte, aber wenn ich in diese menschenleeren Täler gucke und die Weiten davor und dahinter, juckt es mich in den Wanderstiefeln. Mittendrin sein! …Ich weiß schon, warum ich auf dieser Reise bin 😉

Nachdem wir etwas in der Kälte rumgelaufen sind und anschließend noch eine halbe Stunde im Auto gesessen und einfach fasziniert raus auf die Berge geguckt haben, machen wir uns wieder auf den Rückweg. Nach ein paar Minuten werden wir von der Radfahrerin überholt, die den Berg in einem Affenzahn runtersaust. Ich bin immer wieder fasziniert von diesen Menschen, die große Steigungen mit Fahrrädern rauffahren und danach wieder runter. Ich würde auf die Idee gar nicht kommen. Aber es fasziniert mich, wie gesagt. Rauf wäre mir zu anstrengend. Runter zu gefährlich. Aber eigentlich immer, wenn ein Weg so ist, dass der Motor sich beschwert, trifft man auf mindestens einen Radfahrer. Chapeau!

Oh, wie schön ist Oregon!

Vom Redwood Nationalpark fahren wir weiter an der Küste entlang bis zum Beverly Beach für eine letzte Nacht im Zelt, bevor es zu Freunden von Freunden nach Portland geht. Das Wetter ist norddeutsch. Mit feinem Sand gespickter Wind fegt mir um die Beine, als ich am Strand spazieren gehe. Anfangs sind um mich herum noch jede Menge Leute, aber nach 15 min Gehen bin ich fast alleine. Ich denke über die Reise nach und wie sie weitergehen soll. Seit einiger Zeit fragen mein Freund und ich uns, ob wir mit dem Schiff zurückfahren sollen/wollen/können statt mit dem Flugzeug zu fliegen und wie lange wir eigentlich noch reisen wollen. Obwohl unsere Stimmung seit San Francisco eigentlich wieder besser ist und auch der Reisealltag besser läuft, muss ich gestehen, dass mir über die Reise durch die USA ein bisschen die Puste ausgegangen ist. Wollen wir noch lange reisen, müssen wir den sowieso schon recht niedrigen Komfort nochmal runterschrauben. Wir haben recherchiert, dass Kanada von den normalen Lebens- und Reisekosten nochmal teurer ist als die USA. Wenn sonst alles stimmt, kommen wir durchaus auch mit noch weniger Komfort klar, aber was, wenn wir da die gleichen Probleme mit den Menschen haben wie in den USA? Selbst eine kurze Reisevariante wäre mit noch mehr Sparmaßnahmen als bisher verbunden, aber es wäre dann finanziell doch nicht ganz so knapp. Aber der Hauptpunkt ist, ich kann mir einfach nicht vorstellen, noch ein weiteres halbes Jahr zu reisen. Lieber genieße ich die Monate, die noch bleiben. Die Entscheidung für die nicht ganz so lange Reisevariante fühlt sich instant richtig an. If in doubt, geh am Strand spazieren 😉

Strandspaziergang am Beverly Beach in Oregon

Strandspaziergang am Beverly Beach in Oregon

Am nächsten Tag geht es weiter nach Portland. Ich freue ich, ein paar Nächte mal nicht in unserem winzigen Zelt zu schlafen. Und ich freue mich, nette Amerikaner kennenzulernen. Wir kommen für die nächsten Nächte in der WG einer Freundin meiner italienischen Freundin aus San Diego unter. Die hat anscheinend ganze Überzeugungsarbeit geleistet, dass mein Freund und ich total nette Menschen seien und dass es an sich eine gute Sache sei, wenn man Fremden sein Haus öffnet. Wir merken, dass die WG zumindest so halb überzeugt ist. Wir werden freundlich aufgenommen. Und die WG ist toll! Jeder Mitbewohner hat etwas zur Einrichtung des Hauses beigetragen und jeder scheint irgendeine künstlerische Begabung zu haben. Die Couch im Wohnzimmer schlägt die Nächte auf der Isomatte im Zelt um Längen. Den ersten Tag erkunden wir Portland auf eigene Faust. Es gibt einen über mehrere Geschäfte ausgedehnten Bücherladen aus dem man mich nach mehreren Stunden nur noch operativ entfernen kann. Zum Abendbrot gehen wir in einem veganen asiatischen Lokal. So gut habe ich schon lange nicht mehr gegessen! Zurück zur WG fahren wir mit der Straßenbahn, denn Portland hat eine öffentliches Verkehrsnetz! Für mich inzwischen ein Zeichen dafür, dass eine Stadt mir gefällt. Komme ich problemlos mit Bus und Bahn von A nach B, bin ich schon überaus zufrieden.

Am nächsten Tag gehen wir mit zweien der 4 WG-Bewohner in einer nahe Portland gelegenen Schlucht wandern.

Die "Gorge" in der Nähe von Portland.

Die „Gorge“ in der Nähe von Portland.

Der Weg geht durch einen grünen Urwald. Wir laufen unter tropfenden Moosabhängen durch. Das Wasser glitzert in der Sonne. Ich bin baff. Ich habe nicht erwartet, dass es hier so schön ist. Von den ganzen bisher gemachten Wanderungen, gehört diese zu denen, die ich lange nicht vergesssen werde. Vielleicht liegt es daran, dass ich in den letzten Wochen soviel Wüste gesehen habe, aber das Grün scheint mir grüner, das Wasser nasser und ich könnte schwören, dass die Tropfen mehr in der Sonne funkeln. Bäche, Wasserfälle, im trockenen Gras sehen wir eine Schlange neben dem Weg. Kann ein Waldweg schöner sein? Ich weiß es nicht.

Wasserfall in der "Gorge" in der Nähe von Portland

Wasserfall in der „Gorge“ in der Nähe von Portland

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Wieder zurück stellen wir fest, dass es in den USA auch richtig gutes Essen geben kann. Unsere Gastgeberin Allison veranstaltet für uns eine kulinarische Führung. Sie betont, dass die Foodtrucks das Wichtigste in der kulinarischen Szene Portlands wären. Wir laufen an einer Gruppe von ihnen vorbei. Aber wir haben heute eine andere Mission: das beste Eis von Portland und eine richtig gute vegane „Bowl“, eine Schale, in der unten Reis ist und darüber Gemüse, Tofu, leckere Sauce. Eins ist klar: Portland kann was!

Am nächsten Morgen fahren wir weiter, machen aber vorher noch einen Abstecher bei Voodoo Doughnut und im Staubsaugermuseum. Voodoo Doughnut kennen wir aus dem Fernsehen. Da gibt es abgefahrene Doughnuts und wenn wir schon in Portland sind, dann will ich da auch hin. Der Besuch lohnt sich! Der Reisproviant ist gesichert. Das Staubsaugermuseum ist speziell und irgendwie witzig. Vor allem ist es eine nette Idee. Ein Staubsaugerladen in der Stadt hat in einem Bereich seines Ladens alte Staubsauger ausgestellt mit Angaben darüber, wann sie wie eingesetzt wurden. Erfahren hatte ich davon über die Internetseite www.atlasobscura.com, die mir ein Freund in San Diego empfohlen hatte. Wer keine Lust auf den typischen Touristenkram hat, dem sei ein Blick auf die Seite wärmstens empfohlen.

Staubsaugermuseum

Im Staubsaugermuseum

Um eine rosa Box mit Doughnuts und einige positive Erfahrungen reicher geht es weiter in den Norden. Nächstes Ziel: der Olympic Nationalpark.

Hoppala!

Was ist denn jetzt los? Das ist mal ne eeeecht lange Beitragspause. Jaaa, die Leute, die wohl hauptsächlich diesen Blog so lieb verfolgt haben, wissen, dass ich inzwischen wieder zu Hause bin. Ich hab die Reise nicht abgebrochen. Ich bin einfach an ihrem Ende angekommen. Da es unterwegs nicht immer Internet gab, lagen einige Beiträge so lange in der offline-Warteschleife, dass ich einfach nicht mehr dazu gekommen bin, sie von unterwegs zu veröffentlichen. Die meisten Beiträge sind allerdings geschrieben und da ich Unvollständigkeit ganz einfach nicht mag, werde ich sie noch in den nächsten Tagen und Wochen in den Blog stellen. Ob sie dann noch jemand liest? Keine Ahnung. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, schreibt man so einen Reiseblog auch immer ein bisschen für sich selbst. Wer sich nicht von der Notiz anderer abhängig macht, der führt ein wesentlich entspannteres Leben 😉

Wer auch immer noch Lust auf die Beiträge hat: Ich freu mich, wenn sie gelesen werden. Liebe Grüße aus der Heimat!

Wie ein Zwerg unter Riesen – Redwood National- und State Parks

Wir reisen durch einem Bereich, in dem man sich gar nicht entscheiden kann, ob man jetzt lieber an der Küste bleiben oder einen Hauch ins Inland fahren sollte. Es ist einfach wunderschön. Die Küste hat dunkle Strände, steile Kliffabhänge, vorgelagerte Inseln. Immer wenn ich aufs Meer gucke, halte ich nach Waalen Ausschau.

Küstenabschnitt in der Nähe des Redwood Nationalparks

Küstenabschnitt in der Nähe des Redwood Nationalparks

Wir fahren in den Redwood Nationalpark, in dem die uralten, riesig großen Redwood Bäume stehen. Diese sind teilweise über 1000 Jahre alt. Wir wandern einen Tag lang zwischen den Bäumriesen hindurch. Die Bäume wirken für mich so überdimensioniert groß, dass ich mir wie ein Zwerg vorkomme. Manche Baumstämme sind hohl. Die Höhlen sind so groß, dass man nahezu darin wohnen könnte. Alte, umgefallene Bäume liegen von Moos überwachsen auf dem Boden. Ein Bach plätschert durch die Landschaft. Einige Baumrinden sehen aus, als hätte man mit einem riesigen Kamm eine Struktur hineingekämmt. Der ganze Wald wirkt wie märchenhaft verzaubert.

Kleiner Mensch zwischen großen Bäumen

Kleiner Mensch zwischen großen Bäumen

Da wir einen langen Rundweg wandern, treffen wir nur auf wenige andere Touristen. Die Besucherhorden, die wir im Yosemite Valley angetroffen haben, bleiben hier anscheinend aus. Auch die Campingplatzsuche gestaltet sich wesentlich einfacher. Hinfahren, Platz finden, glücklich sein.

Es gibt sogar Duschen. Wir nutzen die Möglichkeit, um am nächsten Morgen ausgedehnt durch den Wald zu joggen. Ich habe mal gelesen, dass die englischsprachige Bevölkerung, die sich für andere Sprachen interessiert, festgestellt hat, dass es für verschiedene Wörter aus anderen Sprachen kein englisches Pendant gibt. Als Beispiel war das angeblich deutsche Wort „Waldeinsamkeit“ genannt. Ich kannte es vorher nicht, aber beim Wandern und Laufen durch den Redwood Park muss ich genau an dieses Wort denken.

Abstecher zum Big Sur und dann auf in den Norden!

Eigentlich zieht es mich weiter nach Norden, Richtung Kanada, das nächste Land auf unserer Reise. Allerdings haben wir mehrfach gehört, dass wir uns wirklich den Küstenabschnitt „Big Sur“ angucken sollten, weil der einfach unglaublich gigantisch schön sein soll. Der Big Sur liegt etwas südlich von San Francisco. Also steht nochmal ein kleiner Abstecher nach Süden an. Und der lohnt sich wirklich. Das Wetter ist hervorragend. Die Fahrt geht entlang einer malerischen Steilküste. Die Sonne geht glutrot im Meer unter. Wir gucken aufs Wasser und sehen einen glänzenden Grauwaalrücken und eine Wasserfontäne. Wir beschließen spontan, dass wir 2 Nächte hier bleiben wollen. Die Campingplatzsuche gestaltet sich mal wieder schwierig. Wie schon erwähnt sind die Amerikaner die absoluten Meister im Vorbuchen. Erinnert ein wenig an die Handtücher, die Urlauber morgens auf die Liegen am Pool legen, um diese für später zu reservieren. Besonders ärgerlich ist, dass viele der reservierten Plätze dann doch leer bleiben.

Spontan reisen ist in den USA jedenfalls nicht übermäßig ratsam. Den Campingplatzhost eines vollen Platzes um Rat zu fragen allerdings schon. So bekommen wir im letzten Sonnenlicht doch noch einen Platz für die erste Nacht und wechseln am nächsten Morgen auf den Optimalplatz direkt an der Steilküste mit Blick aufs Meer. Zeit für einen Tag mit einem Buch auf einer Decke im Schatten eines Baumes mit gelegentlichem Blick aufs Meer. Wer weiß, ob nicht nochmal gerade dann ein Waal vorbeischwimmt. Ich sehe leider nichts als glattes Wasser, aber das nette dänische Paar vom Nachbarplatz erzählt uns am Abend, dass sie eine Waalmutter mit Jungtier in der Bucht nebenan gesehen haben.

Big Sur

Big Sur

Am nächsten Tag geht es auf in den Norden! Der Plan ist, die gesamte Westküste der USA mit dem Auto abzufahren bis zur kanadischen Grenze.

Wir verbringen eine Nacht in Santa Cruz, fahren an der Half Moon Bay entlang, ein letztes Mal über die Golden Gate Bridge und lassen San Francisco schließlich hinter uns. Eigentlich wollten wir uns noch Alcatraz angucken. Leider scheitert diese Idee am inzwischen viel besungenen hiesigen Vorbucherwahnsinn. Einfach zum Bootsanleger gehen und ein Ticket lösen? Denkste. Da wir ja schon eine Weile im Land sind, haben wir sogar daran gedacht, zwei Tage vorher mal zu gucken, ob wir vielleicht Tickets vorbestellen sollten. Ja, sollte man. Allerdings nicht zwei Tage sondern anscheinend mehrere Wochen vorher. Ist wahrscheinlich auch saisonbedingt. Jedenfalls sehen wir zwei Alcatraz auf dieser Reise nicht.

Als wir aus San Francisco rausfahren, begrüßt uns immer grünere Landschaft. Eine Wohltat nach den vielen Canyons und den trockenen, kargen Landstrichen der letzten Wochen auf der Runde im Inland. Wir fahren zunächst zum Clear Lake State Park. Fürs Vorbuchen waren wir etwas zu spät dran, obwohl wir es immerhin versucht haben, aber wir haben Glück trotzdem Glück: Eine halbe Stunde bevor wir in den Park fahren, öffnen die Ranger einen zusätzlichen Campingplatz für die Sommersaison. So kommen wir in den Genuss unseres ersten „Premium Platzes“.

Clear Lake, Blick vom "Premium Platz"

Clear Lake, Blick vom „Premium Platz“

Wir haben Aussicht auf den See und sind in optimaler Lage zum Wasserhahn, Badeabschnitt und den Toiletten. Luxus! Zusätzlich sind wir zunächst auch noch alleine auf dem Platz. Als es schon dunkel wird, kommt ein weiteres Pärchen dazu. Darüber sind wir im Laufe des Abends dann doch recht froh. So ein einsamer Campingplatz im Dunkeln kann ganz schön…einsam sein. Der Mond geht an diesem Abend besonders spät auf, so dass es mich tatsächlich ein bisschen gruselt. Im Hellen ist alles allerdings wunderschön. Ganz klar einer der schönsten Plätze, die ich bisher in den USA besucht habe. Unserem Platz gegenüber auf der anderen Seite des Clear Lakes ist ein kleines Haus mit Bootsanleger am Fuße eines Weinberges. Ja, so kann man wohl leben 😉

Zugegebenermaßen ist der Name „Clear Lake“ eine Übertreibung. „Green Lake“ hätte es wohl besser getroffen. Der See ist so voller Algen, dass wir zwar einmal kurz zur Abkühlung reinspringen, wirklich lange hält es uns aber nicht im Wasser. Vielleicht ist ja gerade Algenblüte. Wir wissen es nicht. In jedem Fall finden wir es schade am nächsten Morgen weiterzufahren.

Die Serpentinenstraße führt uns wieder Richtung Küste. Wir fahren in den Mac Kerricher State Park, etwas nördlich von Fort Bragg. Auf dem Weg gucken wir uns noch den Glass Beach an.

Glass Beach bei Fort Bragg

Glass Beach bei Fort Bragg

An dieser Stelle haben, laut wikipedia, die früheren Bewohner von Fort Bragg ihren Müll immer schön über die Klippen geworfen. In den 60ern wurde das dann verboten und ein großer Teil des Mülls, der noch in der Bucht war, wieder aus dem Wasser gefischt. Schwere Dinge wie Glasscherben blieben dabei allerdings auf dem Meeresboden und wurden mit den Jahren rundgeschmirgelt, so dass der Strand jetzt aus normalen Steinen, Sand und rundgeschliffenem Glas besteht. Das sieht in der Tat sehr hübsch aus, auch wenn Müll ins Meer werfen natürlich mal gar nicht geht. Aber das macht ja jetzt auch keiner mehr. Oder doch? Wir gehen um eine Klippe und stoßen auf ein großes Abflussrohr aus dem ein stinkendes Abwasser einfach so ins Meer sprudelt. Ein amerikanischer Tourist instruiert seine Familie: „Stellt Euch mal davor! Ich fotografiere das so, dass es aussieht wie ein Wasserfall!“ Ja, … awesome.

Die nächste Nacht verbringen wir im Mac Kerricher State Park. Der ist richtig schön. Vielleicht bin ich etwas voreingenommen, weil er mit seiner Küstenlandschaft doch sehr an Norddeutschland erinnert. Ich bin ein großer Fan der norddeutschen Küste. Abgesehen vom Strand auf Mana, fand ich bisher noch keinen Strand so schön wie den von Wangerooge! Aber das ist natürlich Geschmackssache 😉

Was auffällt ist, dass die Ranger sowohl im Clear Lake wie auch im Mac Kerricher State Park ausgesprochen viel freundlicher sind als in den anderen Parks, in denen wir bisher waren. Vielleicht trägt das mildere Klima auch dazu bei, dass die Leute nicht so hart sind. Ich erinnere mich noch gut an den Parkaufseher im Zion Nationalpark, der schon morgens vor 8 Uhr mit vollverspiegelter Sonnenbrille, natürlich in obligatorischer Uniform und mit Gefängniswertermiene auf seinem Elektroauto über den Campingplatz gefahren ist und ein bisschen seine Profilneurose ausgelebt hat. Naja. Hier sind jedenfalls alle mal nett und ein Lächeln gibt es ganz umsonst obendrauf. Wir genießen den Park, sehen diesmal leider keinen Waal aber eine Menge Leute, die nach Muscheln und Fischen tauchen. Am nächsten Tag geht es weiter nach Eureka.

Carson Mansion in Eureka

Carson Mansion in Eureka

Der Ort hat eine hübsche kleine Altstadt mit gut erhaltenen viktorianischen Häusern. Allen voran „Carson Mansion“, das Holzhaus eines früheren Holzbarons. Zusätzlich gibt es einen tollen 2nd-hand Buchladen: Booklegger. Da komme ich natürlich nicht dran vorbei, ohne mal reinzuschnuppern.

Zugegebenermaßen haben wir Eureka nur als Zwischenstopp genutzt, um mal wieder zu duschen, in einem Bett zu schlafen, ins Internet zu gehen usw. Wir freuen uns über die hübschen viktorianischen Häuser aber in puncto Städte sind wir als Europäer einfach verwöhnt. Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, als ich wieder ins Hotelzimmer zurückkehre um die weitere Reise zu planen und am nächsten Tag weiter nach Norden fahre.

If you’re going to … San Francisco

Das Lied schwirrt mir im Kopf rum als wir Richtung San Francisco fahren. Die Stimmung ist ambivalent. Einerseits freue ich mich auf die Stadt und dass heute so ein schöner warmer Tag ist. Andererseits ist unsere Reisestimmung innerhalb der letzten Wochen immer weiter gesunken. Ich mache keinen Hehl daraus: Die USA, also der Teil der Westküste und des Innlands, den ich auf dieser Reise besucht habe, gefallen mir nur sehr mäßig. Die Natur ist toll, aber ich habe wirklich Schwierigkeiten damit, wie der zwischenmenschliche Umgang hier abläuft und das Essen ist einfach nur unter aller Kanone. Meinem Freund geht es ähnlich. Wir denken darüber nach, ob es nicht vielleicht an uns liegt. Es kann doch nicht sein, dass die Reise hier so schlecht läuft und vorher so gut. Wenn Dir die Welt immer wieder doof vorkommt und Dir Leute auf unangenehme Weise begegnen, ist es sicher nicht falsch mal darüber nachzudenken, ob Du selbst nicht ein Teil des Problems bist. Ob man eine Erfahrung positiv oder negativ aufnimmt, liegt nicht nur an der Erfahrung selber, sondern eben auch daran, wie man sie aufnimmt. Kann alles sein, aber irgendwie ist das trotzdem nur ein Teil des Problems.

Klar, wir machen Fehler: Trotz unserer Erfahrung mit Compton haben wir den Stadtteil unseres Motels in San Francisco vergessen zu googeln, bevor wir das Motel buchen und hinfahren. Und prompt landen wir in unserem „Compton 2.0“. Das ist ein Teil von Oakland, etwas außerhalb von San Francisco, der als „The Killing Zone“ bekannt ist. Ja, so ganz gerne möchte ich hier nicht überall zu jeder Zeit auf der Straße rumlaufen. Aber das Motelzimmer ist hübsch und überhaupt, tagsüber geht es. Trotzdem hebt es einfach nicht die Stimmung. Nach zwei kalten Nächten im Yosemite Nationalpark und der langen Autofahrt sind wir erstmal kaputt als wir abends im Zimmer ankommen. Wir versuchen dem Tag noch eine gute Wendung zu geben, indem wir uns ein veganes Restaurant raussuchen. Mal nicht aus dem Supermarktangebot leben! Aber, puh, was soll ich sagen? Manchmal sollte man vielleicht einfach besser zu Hause bleiben und Müsli essen. Das Beste, was ich über das Lokal sagen kann ist, dass sie wissen, wie man frittiert. Wir fahren in unser lauschiges Motel in der Killing Zone zurück und schlafen erstmal drüber. Die Stimmung ist auf einem Tiefpunkt angelangt.

Aber der nächste Tag wird besser. Es dauert zwar ein bisschen, aber wir bekommen tatsächlich Hilfe an der Rezeption als wir feststellen, dass es keinen offenen Copyshop (weil Sonntag) gibt, bei dem wir die Tickets für das Pagan Fest, das wir an diesem Abend besuchen wollen (ein Metal Festival), ausdrucken können. An der Rezeption geht das. Der erste positive Eindruck: Hier sind nette Menschen! Juhu!

Und das Festival ist großartig. Unsere Befürchtungen, was die amerikanischen Metalfans angeht, zerstreuen sich innerhalb weniger Minuten. Wir gucken uns um: Endlich mal normale Leute! 😉 Das Bier ist zwar mit 9 $ so teuer, dass uns fast die Kinnlade runterfällt, aber betrinken wollten wir uns sowieso nicht. Also, halb so schlimm. Durchatmen und einfach mal ein paar Stunden wohlfühlen ist angesagt.

Pagan Fest North America in San Francisco

Pagan Fest North America in San Francisco

Am nächsten Tag ziehen wir aus unserem Motel aus und in ein Zimmer, das privat von einem jungen, türkischen Akademikerpärchen vermietet wird. Damit probieren wir zum ersten Mal airbnb aus (airbnb.com), eine Internetseite, über die Privatleute Zimmer oder Wohnungen vermieten können. Wir lernen Evrim kennen und sind begeistert. Wir bekommen jede Menge Tipps für eine Tour durch die Stadt jenseits von Lonely Planet oder typischem Touristenstandardweg. Evrim erzählt uns einfach, was sie gerne in der Stadt macht und los geht’s. So spazieren wir durch die Stadt. Wir nehmen winzige Wege, die zwischen liebevoll gepflegten Gärten hindurchführen und die wir ohne ihre Beschreibung nie gefunden hätten. Wir trinken im Buena Vista an der Fishermans Wharf einen Irish Coffee. Stark und sehr gut. Am Pier 39 kaufe ich mir Süßigkeiten, die ich im Park liegend esse, während ich einem Straßenmusiker zuhöre, der an der Cable Car Haltestelle neben dem Park „Hotel California“ spielt. Atmosphärisch. Mit dem Cable Car geht es wieder in die Stadt. Das war seit langem mal ein rundum toller Tag!

San Francisco

San Francisco

Wieder in der Wohnung angekommen unterhalten wir uns bis in den späten Abend mit Evrim über die Unterschiede zwischen Europa und den USA, über die politische Lage in der Türkei, über Istanbul und meine Reiselust flammt sofort wieder auf. Istanbul! Irgendwann wird es so spät, dass uns fast die Augen zufallen und wir ins Bett müssen. Wir haben inzwischen so viel Zeit draußen verbracht, dass wir es gewöhnt sind, ins Bett zu gehen, wenn es dunkel wird. Oder nur wenig später. Meist schlafen wir also gegen 22 Uhr und wachen um 6 Uhr wieder auf, wenn es draußen wieder hell wird.

Wir schlafen tief und fest mit dem Gefühl, dass wir den negativen Reisekreislauf jetzt durchbrochen haben und die restliche Zeit in den USA einfach unter einem besseren Stern stehen muss. Und mit diesem Gefühl fahren wir am nächsten Morgen auch aus San Francisco wieder raus. Ein kleiner Abstecher nach Süden zum Big Sur steht an, bevor es endgültig nach Norden und in Richtung Kanada geht.

Der Yosemite Nationalpark – Willkommen im Hotspot des Naturtourismus

Yosemite Valley

Yosemite Valley

Inzwischen weiß ich, dass man die Campingplätze in den USA weit im Voraus (teilweise mehrere Monate vorher!) vorbuchen muss. Für die meisten Plätze bin ich mit dieser Erkenntnis zu spät dran. Zum Glück gibt es aber auf vielen Campingplätzen einen Bereich, der nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ gefüllt wird. Dementsprechend mieten wir uns für eine Nacht in ein Motel in der Nähe das Yosemite Nationalparks ein und stehen absurd früh auf, um uns gegen 9 Uhr morgens in die Schlange beim Campingplatzwächter zu stellen. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt und wir bekommen für 2 Nächte einen Platz. Der ist allerdings wirklich nicht schön. Der bärensichere „Foodlocker“, in dem man sein Essen und alles, was Bären toll finden könnten, einschließt, ist von unserem „Vorcamper“ leider ziemlich unsauber hinterlassen worden. Wir finden verrottetes Essen und es riecht dementsprechend unangenehm. Erfreulicherweise kommt aber eine Rangerin und fragt auf allen Plätzen nach, ob denn alles in Ordnung sei. Von ihr bekommen wir Reinigungsmittel für unseren Foodlocker und hören, dass es mit den Campern auf unserem Platz Ärger gegeben hätte und dass aus der Gruppe anscheinend noch Leute auf dem Platz wären. Das klingt nach einer potenziell unentspannten Nacht. Unser Platz ist ein Gruppenplatz, den wir uns mit anderen Campern teilen, die zwar gerade nicht da sind, aber auf die wir uns nach dieser Einleitung auch nicht unbedingt freuen. Aber was soll’s? Jetzt sind wir da. Jetzt gucken wir uns erstmal das Tal an. Und um Probleme kümmern wir uns, wenn sie auftauchen.

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut und unsere Sachen verstaut haben, geht es auf zur ersten Wanderung zur oberen Kante eines für uns großen, im Vergleich zu den Wasserfällen hier im Tal aber kleinen Wasserfalls. Auf dem Rückweg am Abend zu unserem Zeltplatz fahren wir an einer Menschenmenge vorbei. Irgendwas ist hier im Busch, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir halten an, steigen aus. Eine Frau läuft an mir vorbei „A bear! How cute!!“ Öh, nein? Also Bär ja, aber süß? Eher nicht. Und damit werden wir Zeugen einer für mich sehr seltsam anmutenden Szene. Eine Menschenmenge von ca. 50 Leuten, die sich den (mehr oder weniger) wilden Braunbären anguckt. Trotz aller Hinweise auf verschiedenen Flyern und Tafeln im Park darauf, dass man Wildtiere wild lassen und sie nicht füttern und sich auch auf keinen Fall nähern soll, gehen einige ganz „Mutige“ immer dichter an den Bären ran. Ja sind die denn alle bescheuert? frage ich mich. Das mag für die Leute, die in ihren dicken Campingwagen oder in den im Park gelegenen Hotels schlafen ja noch ganz nett sein, aber ich schlafe heute nacht im Zelt! Der Bär ist so eindeutig an Menschen gewöhnt, dass mir ganz anders wird. Wenn der bei Tag keine Scheu vor Menschen hat, dann hat er das bei Nacht, wenn alle schlafen, auch nicht. Ich ziehe mich von der Szenerie zurück. Ich kann das gar nicht mit ansehen, mit wieviel Dummheit hier mit der Natur und Wildtieren umgegangen wird.

Am Zelt angekommen stellen wir wenigstens fest, dass unsere Mitcamper ganz nette normale Leute sind und keine asoziale Horde, wie wir nach der Warnung der Rangerin befürchtet hatten. Es wird früh dunkel und kalt und wir wollen am nächsten Tag eine längere Wanderung zum Yosemite Wasserfall machen. Also krabbeln wir früh in unsere Schlafsäcke.

Als ich am nächsten Morgen im Bad bin, erzählt mir eine andere Camperin, dass sie in der letzten Nacht nochmal auf die Toilette musste und auf dem Rückweg einen Bären zwischen den Zelten gesehen hat. Dieser hat versucht, einige Foodlocker zu öffnen, was nicht geklappt hat. Anschließend hat er sich für einige der Zelte interessiert und versucht, seinen Kopf in das Vorzelt zu stecken. Irgendwann hat er sich dann wieder verzogen. Nach dem, was ich am Vortag gesehen habe, wundert mich die Geschichte nicht. Angenehm ist die Vorstellung allerdings trotzdem nicht.

Auf dem Weg zum oberen Ende der Yosemite Falls

Auf dem Weg zum oberen Ende der Yosemite Falls

Die Wanderung zu den Yosemite Falls ist anstrengend, aber sie ist auch schön. So voll das Tal auch ist, es ist wirklich malerisch. Auf dem Weg bergauf kneift mich mal wieder der Ehrgeiz, so dass ich oben angekommen ziemlich kaputt bin und mir zugegebenermaßen ein bisschen schlecht ist. Was soll’s? Die Aussicht ist der Hammer.

Blick ins Tal

Aussicht ins Tal

Als wir an diesem Abend ins Bett gehen, hören wir mehrfach, wie die Ranger mit Autos um den Campingplatz fahren. Wir sehen Scheinwerfer aufleuchten, hören Hupen. Die Camperin mit der Bärengeschichte hatte den Bärenbesuch der letzten Nacht bei den Rangern gemeldet. Ich weiß nicht, ob der Bär in dieser Nacht wieder zwischen den Zelten unterwegs ist, oder ob das alles einfach Vorsichtsmaßnahmen sind. Eins ist jedenfalls klar, im Yosemite Valley sind einfach zu viele Menschen. Ich fühle mich schlecht bei dem Gedanken, dass ich einer davon bin.

Zwischen den Extremen – Vom Death Valley bis zum Sequoia Nationalpark

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Auf dem Weg ins Death Valley

Von Las Vegas aus geht es zu unserem letzten Wüstenstopp, dem Death Valley. Die Landschaft wird immer karger und es wird immer heißer. Irgendwann zeigt das Autothermometer 113°F an. Auf lange Wanderungen hat man bei dem Wetter eher keine Lust. Auf dem Weg zu unserem Campingplatz für die Nacht im Death Valley wirkt die Landschaft auch vom Auto aus faszinierend genug.

Death Valley

Death Valley

Der Wind fegt über die trockene Erde. Nachdem wir unser Zelt neben einigen niedrigen, struppig trockenen Bäumen möglichst windgeschützt aufgebaut haben, fahren wir zum Badwater Basin, einer der Sehenswürdigkeiten im Death Valley. An dieser Stelle gibt es zwar einen kleinen Wassertümpel, allerdings nicht mit Trink- sondern mit Salzwasser. Daher auch der Name. Neben dem Tümpel ist ein Erklärschild aufgebaut. Laut diesem hat irgendwann ein Mann, der durch die Gegend geritten ist, versucht seinen Esel dazu zu bewegen, an dieser Stelle Wasser zu trinken, was dieser nachhaltig verweigert hat. Das wiederum hat den Mann zu der Namensgebung veranlasst. Der Tümpel liegt in einer Ebene, die immer wieder überschwemmt wird, um anschließend auszutrocknen.

Badwater Basin (ausgetrockneter Teil, falls man es nicht sieht ;-) )

Badwater Basin (ausgetrockneter Teil, falls man es nicht sieht 😉 )

Trotz allem lebt in dem kleinen Brackwassertümpel eine einzigartige Schneckenart, wie wir auf dem Schild lesen können. Das Leben kann faszinierend sein! Das klingt jetzt ironisch, aber ich meine das ernst. Als Schnecke könnte ich mir spontan keinen unangenehmeren Ort zum Leben vorstellen, als eine kleine, ständig vom Austrocknen bedrohte Salzwasserpfütze im Death Valley! Wie sind die Schnecken da hingekommen? Bzw. was für ein Wunder, dass diese Art sich so entwickelt hat, dass sie immer noch hier ist! Zu gerne würde ich eine der Schnecken sehen und ein Foto machen. Aber um die Art vor neugierigen Touristen mit Touristentrampelfüßen zu schützen, ist der Bereich großzügig abgesperrt. Schade für mich, aber wahrscheinlich gut für die Schnecken.

Die nackten Hügel, durch die wir zu unserem Campingplatz zurückfahren, sind eingefärbt von den verschiedenen Metallen und Mineralien, die sie durchziehen. Soviel Farbe hätte ich in dieser Einöde gar nicht erwartet.

Farbe in der Wüste

Farbe in der Wüste

Als wir wieder am Zelt sind, kommt mehr und mehr Wind auf. In der Nacht höre ich den Sturm um uns herum wüten. Die Äste der kleinen Bäume um uns knacken, aber das Zelt hält. Als ich am nächsten Morgen (noch ohne Brille) bei dem Waschräumen stehe und mir die Zähne putze, sehe ich, dass mein Freund inzwischen auch aufgewacht ist und mir zuwinkt. Ich winke fröhlich zurück. Schön, dass Du wach bist, denke ich mir. Toller Tag! Hinter ihm zeigt sich ein wunderschöner Regenbogen vor tiefgrauem Himmel. Ich zeige auf den Regenbogen und freue mich. Mein Freund gestikuliert weiter wild. Dann geht es auch mir auf: Der dunkelgraue Hintergrund! Da kommt eine ganz dicke Schlechtwetterfront auf uns zu. Ich beeile mich und gemeinsam packen wir, so schnell wir können, wieder mal alle unsere Sachen ein, bauen das Zelt in Rekordzeit ab und haben gerade alles im Auto verstaut, als es anfängt zu schütten wie aus Kübeln. Regen im Death Valley! Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus.

Auf dem Weg in den Sequoia Nationalpark

Auf dem Weg in den Sequoia Nationalpark

Auf unserem Weg in den Sequoia Nationalpark zu den riesigen Sequoiabäumen fällt die Temperatur immer weiter. Als wir gegen Abend im Park ankommen, liegt Schnee! Die Campingplätze weiter oben im Park sind damit für uns tabu. Unsere Schlafsäcke, Iso-Matten, das Zelt, nichts ist für Schnee oder tiefe Temperaturen geeignet. Die Rangerin am Parkeingang empfiehlt uns dementsprechend einen Platz weiter unten im Park, wo nur vereinzelt Schnee liegt. Zusätzlich sind wir zum ersten Mal in einem Gebiet mit Bären. An jedem Campingplatz gibt es „Foodlocker“. Das sind Boxen, die man so verschließen kann, dass Bären sie nicht öffnen können. Von einem Infozettel erfahren wir, dass Autos diese Eigenschaft nicht haben. Beruhigend. Zusätzlich lernen wir, dass nicht nur der Geruch von Essen Bären anzieht sondern auch jegliche Art von Kosmetikprodukt und alles, was nach Baby riecht (Kindersitze zum Beispiel). Wenn man so darüber nachdenkt, macht das schon Sinn. Aber man sieht sich und seinesgleichen selten nicht ganz oben in der Nahrungskette. Wir durchkämmen unsere Rucksäcke und verstauen schließlich alles, was uns als potenziell für Bären interessant vorkommt, in dem Foodlocker. Es ist so kalt, dass ich inzwischen von der Wüstenkleidung mit Flip Flops auf dicke Socken, meine Wanderstiefel und zwei Jacken umgestiegen bin. Unsere Ausrüstung ist eindeutig zu kalt für eine Nacht im Zelt.

Nacht im Auto - geht auch

Nacht im Auto – geht auch

Da sowieso ein Großteil unseres Kofferrauminhalts bärensicher im Foodlocker verstaut ist, beschließen wir, die Rückbank herunterzuklappen und die Nacht im Auto zu schlafen. Es stellt sich heraus, dass das gar nicht mal so unbequem ist. Ein bisschen abschüssig zwar, so dass ich immer wieder runterrutsche und im Endeffekt die Nacht größtenteils im Kofferraum verbringe, aber was soll’s? Im Zelt wäre es mit Sicherheit unangenehmer gewesen. Bären haben wir auch weder gesehen noch gehört, was nicht heißen muss, dass keine da waren, aber trotzdem entspannt es ein bisschen.

Wir fahren weiter durch den Park und sehen uns dabei auf einer Wanderung durch den Schnee die riesigen Sequoiabäume an. Es ist ein bisschen schwierig, die Tatsachen vom amerikanischen Enthusiasmus zu trennen. Also, so wie ich es verstanden habe, sind Sequoias nicht die größten Bäume der Welt im Sinne von Höhe oder Umfang (also in dem Sinne, wie man „Größe“ normalerweise defininieren würde), sondern die Bäume mit dem größten Holzvolumeninhalt. Wie auch immer, es sind riesige Bäume. Die Schneewanderung macht Spaß und ist etwas skurril, da ich gestern noch durch die Wüste gewandert bin. Noch eine Nacht in der Kälte muss ich allerdings nicht haben. Nach noch ein bisschen Bäume-Sightseeing fahren wir aus dem Park wieder raus, ins wärmere Flachland und weiter Richtung Yosemite Valley.

General Sherman, bzw. der große Sequoia, der nach ihm benannt wurde

General Sherman, bzw. der große Sequoia, der nach ihm benannt wurde